KNX ist der weltweit verbreitete Standard für die Gebäudeautomation – und der einzige offene, herstellerunabhängige Bus, der seit über 30 Jahren aktiv weiterentwickelt wird. Ob Licht, Jalousien, Heizung, Klimaanlage oder Energiemessung: KNX verbindet alle Funktionen eines Gebäudes über ein gemeinsames Bussystem und macht sie zentral steuerbar – per Taster, Touchpanel oder Smartphone-App.
Im Sortiment von Zählerschrankexpert finden Sie KNX-Komponenten von vier Premiumherstellern: Gira, Hager, MDT und ABB. Der Fokus liegt auf REG-Geräten (Reiheneinbaugeräten) für den Einbau im Verteilerkasten – also genau dort, wo auch Zählerschrank und Unterverteilung sitzen.
Wichtig: KNX-Systeme müssen von einer zertifizierten Elektrofachkraft mit der ETS-Software (Engineering Tool Software) projektiert, programmiert und in Betrieb genommen werden. Die Inbetriebnahme durch Laien ist nicht zulässig.
Wie funktioniert KNX? Das Grundprinzip
In einem KNX-System kommunizieren alle Geräte über eine gemeinsame Busleitung – die grüne EIB-YStY-Busleitung mit 30 V Gleichspannung. Auf diesem Bus senden Sensoren (Taster, Bewegungsmelder, Temperaturfühler) Telegramme, die Aktoren (Schaltaktoren, Jalousieaktoren, Dimmaktoren) empfangen und in Schaltbefehle umsetzen.
Was das von einem normalen Stromkreis unterscheidet: Zwischen Sensor und Aktor gibt es keine direkte Verdrahtung. Ein Taster im Wohnzimmer kann – nach entsprechender Programmierung – gleichzeitig das Licht dimmen, die Jalousien fahren und die Heizung auf Absenktemperatur setzen. Das alles konfiguriert der Elektrofachmann einmalig mit der ETS-Software am Computer.
Sensoren
Taster, Bewegungsmelder, Temperaturfühler, Wetterstation – sie erfassen den Ist-Zustand und senden Telegramme auf den Bus.
Bus (EIB-YStY)
Die grüne Busleitung verbindet alle Geräte. Sie führt 30 V DC und überträgt gleichzeitig Datentelegramme – Strom und Signal über ein Kabel.
Aktoren (REG)
Schalt-, Jalousie- und Dimmaktoren sitzen im Verteilerkasten auf der Hutschiene. Sie empfangen Telegramme und steuern die angeschlossenen Verbraucher.
ETS-Software
Die Engineering Tool Software (aktuell ETS6) ist das Werkzeug des Elektrofachmanns. Hier werden alle Geräte parametriert, Gruppadressen vergeben und das System in Betrieb genommen.
Welche KNX-Gerätetypen gibt es – und was macht welcher?
Im Verteilerkasten sitzen die Aktoren, an der Wand die Bedienelemente. Hier ein Überblick über die Gerätetypen in unserem Sortiment:
Schaltaktor
Schaltet Verbraucher wie Beleuchtung, Steckdosen oder Geräte ein und aus. Erhältlich in verschiedenen Kanalzahlen (8-fach, 12-fach, 24-fach) und Ausführungen – unter anderem mit C-Last-Eignung für elektronische Vorschaltgeräte und Frequenzumrichter. REG-Montage auf Hutschiene im Verteiler.
Jalousieaktor
Steuert Jalousien, Rollläden, Markisen und Dachfenster. Viele Schalt-/Jalousieaktoren in unserem Sortiment sind Kombination aus Schalt- und Jalousieaktor – ein Kanal lässt sich flexibel als Schalt- oder Jalousiekanal konfigurieren.
Dimmaktor
Ermöglicht stufenloses Dimmen von Beleuchtung. Der Gira Dimmaktor 4-fach Standard unterstützt verschiedene Lasttypen. Wichtig: Das zu dimmende Leuchtmittel muss dimmerkompatibel sein – nicht alle LED-Lampen sind es.
Server / Gateway
Verbindet das KNX-System mit dem IP-Netzwerk und ermöglicht die Steuerung per App, Fernwartung und Visualisierung. Im Sortiment: Gira One Server, Gira S1, Gira F1 und Gira X1 – das vollständige Gira One Ökosystem.
Taster / Bedienelement
Sende-Geräte auf dem Bus. Der MDT Taster Light 55 2-fach ist ein einsteigerfreundliches Unterputzgerät mit RGBW-Statusanzeige für Schalt- und Jalousiefunktionen – kompatibel mit dem 55mm-Schalterprogramm.
Gira One – klassisches KNX weiterentwickelt
Gira One ist Giras proprietäre Weiterentwicklung des klassischen KNX-Standards für Wohngebäude. Das System basiert vollständig auf dem KNX-Protokoll – Gira-One-Geräte sind daher KNX-kompatibel und können mit anderen KNX-Herstellern kombiniert werden. Der Unterschied zum klassischen KNX liegt in der vereinfachten Inbetriebnahme und der App-Integration.
Gira One Server (203900)
Zentrale des Gira One Systems. Übernimmt Logik, Visualisierung und App-Anbindung für bis zu 1000 Datenpunkte.
Gira F1 KNX REG (204900)
KNX IP-Router und Bridge. Koppelt mehrere KNX-Linien und ermöglicht den Zugriff über IP. Essenziell für größere Anlagen.
Gira S1 KNX REG (208900)
Fernzugriff-Modul. Ermöglicht gesicherten Fernzugriff auf das KNX-System über das Internet – für Fernwartung und App-Steuerung von unterwegs.
Gira X1 Visualisierungsserver (209600)
Visualisierungsserver für grafische Bedienoberflächen. Stellt die Haussteuerung als anpassbares Dashboard auf Touchpanels und Smartphones dar.
Tipp: Gira One Server, S1, F1 und X1 ergänzen sich gegenseitig und bilden ein vollständiges Ökosystem für Smart-Home-Anlagen im Wohnbau. Welche Kombination für Ihr Projekt sinnvoll ist, hängt von der Anlagengröße und dem gewünschten Funktionsumfang ab – Ihr Elektrofachbetrieb berät Sie dabei.
Unsere KNX-Hersteller
Gira
Premiumhersteller aus Radevormwald mit langer KNX-Geschichte. Bekannt für hochwertige Designschalter (System 55) und das Gira One Smart-Home-Ökosystem. Im Sortiment: Server, Gateway, Fernzugriff, Visualisierung und Dimmaktor.
Hager
Französischer Elektrotechnikhersteller mit starkem REG-Sortiment. Im Sortiment: KNX Schalt-/Jalousieaktor 16/8-fach und der KNX Secure Aktor TYMS616D mit verschlüsselter Buskommunikation – besonders für Gewerbe- und sicherheitsrelevante Anlagen.
MDT
Deutsches KNX-Spezialistunternehmen, bekannt für sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und umfangreiche Funktionsparametrierung. Im Sortiment: Schaltaktoren 8- und 12-fach, Raumaktor 24-fach sowie der KNX Taster Light 55 als kompaktes Bedienelement.
ABB
Eines der größten Elektrotechnikunternehmen weltweit, seit Jahrzehnten im KNX-Markt aktiv. Im Sortiment: Schaltaktoren SA/S8.16.2.2 (8-fach) und SA/S12.16.2.2 (12-fach), 16A REG – robust, bewährt, gut dokumentiert.
KNX Secure: Der Hager TYMS616D ist ein KNX Secure Aktor. KNX Secure bedeutet, dass alle Telegramme auf dem Bus verschlüsselt übertragen werden – nach dem Standard ISO 18033-3 (AES-128). Das schützt das Gebäudesystem vor unbefugten Zugriffen und ist insbesondere für Gewerbeimmobilien, öffentliche Gebäude und sicherheitsrelevante Anlagen relevant.
Für wen ist KNX geeignet?
Neubau Einfamilienhaus
Der ideale Zeitpunkt für KNX ist der Neubau: Bus-Leitungen werden parallel zur Elektroinstallation verlegt. Einmal installiert, lässt sich das System jederzeit umprogrammieren – ohne neue Kabel.
Gewerbeimmobilien
Büros, Hotels, Schulen – überall dort, wo Energieeffizienz, Anwesenheitssteuerung und zentrale Gebäudeleittechnik gefragt sind. KNX Secure sorgt zusätzlich für Cybersicherheit.
Kernsanierung
Bei einer Komplettsanierung mit neuer Elektroinstallation lässt sich KNX wie im Neubau integrieren. Neue Leitungen, neue Verteilung – ideale Ausgangsbasis.
Elektrofachbetriebe
REG-Geräte für Verteilereinbau, bewährte Hersteller, vollständige Produktdokumentation – für Elektrofachbetriebe die KNX-Projekte planungssicher realisieren wollen.
Häufige Fragen zu KNX
Was kostet ein KNX-System für ein Einfamilienhaus?
Die Kosten für ein KNX-System im Einfamilienhaus hängen stark vom Funktionsumfang ab. Als grobe Orientierung gelten für eine mittlere Ausstattung (Licht, Jalousien, Heizung) Materialkosten von 3.000 bis 8.000 Euro zuzüglich Planungs- und Installationskosten durch den Elektrofachbetrieb. Ein einfaches System mit Gira One Server, einigen Schaltaktoren und Tastern ist günstiger realisierbar. Entscheidend ist: KNX ist eine Investition in die Zukunftssicherheit des Gebäudes – einmal verlegt, lässt sich das System Jahrzehnte lang erweitern und umprogrammieren.
Was ist der Unterschied zwischen Gira One und klassischem KNX?
Gira One basiert vollständig auf dem KNX-Standard – alle Gira-One-Geräte sind KNX-kompatibel und lassen sich mit Produkten anderer KNX-Hersteller kombinieren. Der Unterschied liegt in der vereinfachten Inbetriebnahme: Gira One wurde speziell für Wohngebäude entwickelt und bietet eine strukturierte Vorgehensweise mit dem Gira Projekt Assistenten, die weniger Einarbeitungszeit in die ETS erfordert. Für komplexe Gewerbegebäude mit vielen Sonderfunktionen ist das klassische ETS-Projekt nach wie vor flexibler.
Kann KNX auch nachträglich in ein bestehendes Gebäude eingebaut werden?
In ein bestehendes Gebäude ohne laufende Sanierung ist klassisches KNX aufwändig nachzurüsten, da neue Bus-Leitungen verlegt werden müssen. Bei einer Kernsanierung mit Erneuerung der Elektroinstallation ist KNX problemlos integrierbar. Alternativ gibt es KNX-RF (Funk-KNX), das ohne zusätzliche Leitungen auskommt und sich für die Nachrüstung eignet – allerdings zu höheren Komponentenpreisen. Die Entscheidung sollte ein KNX-zertifizierter Elektrofachbetrieb nach Besichtigung treffen.
Was bedeutet „C-Last“ bei KNX-Schaltaktoren?
C-Last bezeichnet eine besondere Eignung des Schaltaktors für kapazitive Lasten. Das sind elektronische Betriebsgeräte wie LED-Treiber, Schaltnetzteile, Frequenzumrichter oder elektronische Transformatoren, die beim Einschalten einen hohen Einschaltstromstoß erzeugen. Standard-Schaltaktoren können dadurch beschädigt werden. C-Last-Aktoren sind für diese hohen Einschaltströme ausgelegt und daher die richtige Wahl für moderne LED-Beleuchtungsanlagen und elektronisch gesteuerte Verbraucher.
Wie hängen Zählerschrank und KNX-System zusammen?
KNX-Aktoren (Schalt-, Jalousie- und Dimmaktoren) werden als REG-Geräte auf der Hutschiene im Verteilerkasten montiert – direkt neben Leitungsschutzschaltern, FI-Schutzschaltern und dem Zähler. Wer also einen neuen Zählerschrank oder eine Unterverteilung plant, sollte gleichzeitig den Platzbedarf für KNX-Aktoren einplanen. Die Vorverdrahtung der Bus-Leitungen erfolgt sinnvollerweise parallel zur Elektroinstallation – beides lässt sich optimal aufeinander abstimmen.
Alle Produktangaben basieren auf den Herstellerdatenblättern (Stand: Juli 2026). KNX-Systeme müssen von einem zertifizierten KNX-Fachbetrieb geplant, installiert und in Betrieb genommen werden. Irrtümer und Änderungen seitens der Hersteller vorbehalten.